Kreativwirtschaft
Der Begriff der Kreativwirtschaft ist definitorisch relativ schwer zu fassen. Dies liegt zum einen daran, dass der Begriff in verschiedenen Sektoren wie Politik, Kultur, Wirtschaft wirkt und sich sehr dynamisch verhält. Um eine Definitionsgrundlage zu erhalten, wird sich diese Arbeit an der definitorischen Herangehensweise von „Kreativ Wirtschaft Schweiz“[1] orientieren und die Definition in diese Arbeit integrieren. Mittlerweile ist dieses Werk aufgrund seiner neuen Ansätze zur Diskussionsgrundlage geworden und liefert mit seinen Modellen die Definitionsgrundlagen für Politik, Planung und wissenschaftliche Arbeiten.
Der Begriff der Kreativwirtschaft hat sich seit den 1970 sehr unterschiedlich in seiner Bedeutung an unterschiedlichsten globalen Orten entwickelt. Die heutigen Diskussionen schließen sich an die Definition aus Kanada und Europa an. Es gibt aber wie weiter oben schon im Bezug auf Wissen und Kreativität erwähnt, ältere Ansätze, die sich mit einer direkten Ökonomisierung dieser Ressourcen beschäftigen. Um sich im Wettbewerb mit den USA zu positionieren, wurde in den siebziger Jahren in Kanada der Begriff „arts and culture industries“ geprägt. Dieser war rein handelspolitisch ausgelegt und sollte die kulturellen Produkte und Dienstleistungen Kanadas so wettbewerbsfähiger machen.[2]
In Frankreich wurde kurze Zeit später, das „Institut pour le Financement du Cinéma et des Industries Culturelles (IFCIC)“ gegründet. Dies ist ein erstes indirektes Förderprogramm für Projekte aus der Kreativwirtschaft. Kreditinstitute verleihen Finanzkapital für Projekte aus der Kreativwirtschaft und erhalten eine Art Staatsgarantie von der IFCIC. Dieses Engagement wurde 1985 durch den Filminvestmentfonds „Soficas“ erweitert. Hierbei wurden vom französischen Kulturministerium ausgewählte Filmproduktionen gefördert.[3]
In Nordrhein-Westfalen wurde die Kulturwirtschaft in Deutschland seit Anfang der Neunziger analysiert. Mit dem Niedergang der Ruhrindustrie bestehend aus der Kohle- und Stahlindustrie dient die Kreativwirtschaft als Chance zur Aufwertung des Image-, Wirtschafts- und Tourismusfaktors in der Region.[4]
RUHR 2010 – Die Kulturhauptstadt Europas unterstreicht die Wichtigkeit dieser Chance, die so ein ganze Region wiederbeleben soll und zum teil auch schon hat.
„Es wird neue Energie gefördert. Sie heißt Kultur.[5]
International wird die Kreativwirtschaft fortlaufend und sehr heterogen definiert. Es gibt etliche Fachkongresse und neugegründete Akademien. Supranationale Organisationen und ihre Unterorganisation wie die UNO, OECD und die WTO treten in den Vordergrund bei der globalen Diskussion um kreative Wirtschaftszweige. Die meisten Organisation liefern keine direkte Definition, was Kreativwirtschaft ist. Sie wird eher als Faktor, bestehend, aus Wissen, Kreativität und Innovation betrachtet. Somit bieten diese Faktoren enormes Entwicklungspotenzial für einige Länder. Dies betrifft laut Weltbank die Entwicklungsländer. Sie unterstützt deshalb entsprechende Länder mit Finanzkapital, technischer Ausrüstung oder Wissen. Die ILO, International Labour Organisation und die OECD beschäftigen sich eher mit den fragen er sozialen Gerechtigkeit, den Marktzugängen und Arbeitsrechten für diese neuen Wirtschaften. Aber auch die positiven Effekte für Tourismus, Regionen und Städten werden von der OECD als gute Entwicklungsmöglichkeiten gesehen. Die WTO, zuständig für internationale Handelsregeln, hat ein Abkommen verabschiedet, welches das Recht am geistigen Eigentum absichert. Dieses Abkommen stellt einen wichtigen Eckpfeiler für das WTO-System dar. Dieses Abkommen soll den Schutz immaterieller Güter weltweit stärken und ist so eine Schnittstelle zwischen der Kreativwirtschaft und der WTO. Es existieren unzählige weitere Auffassungen von Kreativwirtschaft, seinen Produkten und marktwirtschaftliche Definitionsansätze.[6]
Um die heterogenen Ansätze zu bewältigen wurde in Kreativ Wirtschaft Schweiz ein Fokus auf einzelne Bereiche der Definition gelegt. Der erste Ansatz wird durch seine Nähe zur künstlerischen und kulturellen Produktion dargestellt. Hier sind alle Personen und Unternehmen erfasst, deren Arbeitsschwerpunkt es ist, kulturelle und künstlerische Produkte herzustellen und zu vertreiben. Die betrifft Kultur im weitesten Sinne und schließt somit alle Teilbranchen und Teilmärkte mit ein.[7]
Das geistige Eigentum wird als zweiter Ansatz gesehen. Die immaterielle Komponente der Produkte oder Dienstleistungen welche in der Kreativwirtschaft geschaffen werden, werden durch einen erweiterten Begriff der Kreativwirtschaft mit aufgenommen. Bereich wie Presse, TV, Rundfunk und die Gamesindustrie findet so den Zugang in die Definition.[8]
Der dritte definitorische Zugang stellt den Zugang über den Begriff der Kreativität dar. Bei jeder unternehmerischen Tätigkeit steht am Anfang ein kreativ-schöpferischer Akt. Siehe auch „Definition Kreativität“. Die zuvor beschriebenen Bereich spielen hier eine untergeordnete Rolle. Dieser Bereich setzt sich aus Pharmazie, Chemie, Autobranche, Raumfahrt und vielen weiteren Industrien zusammen.[9]
Der Zugang zu dem vielfältigen Beziehungsgeflecht der Kreativwirtschaft wurde so durch drei unterschiedliche Ausrichtungen bei der Definition erreicht. Dies bedeutet nicht, dass die einzelnen Bereiche für sich stehen. Alle sind eng miteinander verknüpft und müssen zusammen gedacht werden:

Definiton Kreativwirtschaft
eigene Darstellung nach Kreativ Wirtschaft Schweiz[10]
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[1] Gerig Manfred, Söndermann Michael, Weckerle Christoph: Kreativ Wirtschaft Schweiz-Daten.Modelle.Szene, 2008, Basel, Birkhäuser Verlag. Erstellt an der Züricher Hochschule der Künste.
[2] Vgl.: Gerig Manfred, Söndermann Michael, Weckerle Christoph: Kreativ Wirtschaft Schweiz-Daten.Modelle.Szene, 2008, Basel, S. 9
[3] Vgl.: Gerig Manfred, Söndermann Michael, Weckerle Christoph: Kreativ Wirtschaft Schweiz-Daten.Modelle.Szene, 2008, Basel, S. 9
[4] Vgl.: ebd., S. 9
[5] Siehe: http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/home.html, Zugriff: 01.02.2010, 14.15h
[6] Vgl.: Gerig Manfred, Söndermann Michael, Weckerle Christoph: Kreativ Wirtschaft Schweiz-Daten.Modelle.Szene, 2008, Basel, S. 12-14
[7] Vgl.: ebd., S. 21
[8] Vgl.: ebd., S. 21-22
[9] Vgl.: Gerig Manfred, Söndermann Michael, Weckerle Christoph: Kreativ Wirtschaft Schweiz-Daten.Modelle.Szene, 2008, Basel, S. 22
[10] Vgl.: Gerig Manfred, Söndermann Michael, Weckerle Christoph: Kreativ Wirtschaft Schweiz-Daten.Modelle.Szene, 2008, Basel, S. 22
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Schlagworte: Kreativwirtschaft